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Geschichte

Der Jagdhof wurde unter Landgraf Ernst Ludwig (1688-1739) in den Jahren 1709 bis 1725 erbaut und diente mit seinem Marstall, Hundestall und seiner Hundewäscherei der Parforcejagd. In den Seitengebäude am Parforcehof waren die Jagdpferde und die Hundemeuten untergebracht. Die Jägerwohnungen befanden sich auch in diesen Bauten. In den Gewölbekellern lagerte man das Wildbret ein. Das zweigeschossige Herrenhaus an der Westseite aber war dem “Commandaten” oder Chef der Jagd vorbehalten.

Die Parforcejagd war für die Bevölkerung keine angenehme Angelegenheit. Für die Parforcejagd wurden so genannte Parforcesterne angelegt, radiale Schneisensysteme, die den berittenen Jäger- und Hundemeuten das Hetzen der Tiere erleichtern sollten. Blieben die gejagten Tiere jedoch nicht im Wald, hetzte die gesamte Meute über die Felder. So wurden die Felder in wenigen Augenblicken zerstampft und die Ernte vernichtet.

Ob der Name “Kavaliershaus” aus der Zeit der vornehmen Jagdgesellschaft herrührt oder aber sich aus der Kavallerienutzung entwickelt hat, ist nicht überliefert. Der Jagdhofkeller wird erstmals 1722 erwähnt. Ein ca. 6,60 m hohes Tonnengewölbe überspannt einen ca. 10 mal 20 m großen Raum mit zwei dicken Mauern. Er diente als kühles Vorratslager für das erlegte Wild. Da bei manchen Jagden bis zu 1000 Stück Hasen geschossen wurden, ist es erklärlich, warum es wegen der starken Geruchsbelästigung zu Beschwerden der Anwohner kam.

Unter Ludwig VIII. wurde der Bessunger Parforcehof ausgebaut, sodass Platz für 48 Pferde und 180 Hunde vorhanden war. Ludwig VIII. war es auch, der mit seinem Hirschgespann von Kranichstein aus in die Oper fuhr. Als er starb, wurde von seinem Sohn im Zuge einschneidender Sparmaßnahmen die Parforcejagd eingestellt. Zwölf Jahre nach der endgültigen Abschaffung der Parforcejagd 1790 wurde der Bessunger Jagdhof zu einer Dragonerkaserne für fast 40 Pferde und Reiter umgestaltet.

Im Zuge der Französischen Revolution und den damit verbundenen Kriegen wurden neue Regimenter aufgestellt, die “Cheveauleger-Dragoner”, im Volksmund “Schwolleschee” genannt. 1812 wurde dieses Regiment ehrenhalber in Napoleons Kaisergarde aufgenommen. Am 27.11.1812 wurde das Regiment an der Beresina, beim Versuch, den Rückzug der “Grande Armee” zu decken, aufgerieben.

In der Folge des gründerzeitlichen Baubooms wurde die Jagdhofanlage mit zusätzlichen Wohnbauten und gewerblichen Hofgebäuden überbaut.

Nach dem letzten Krieg verfielen die historischen Hofreiten und Scheunen immer mehr. Ein erstes Erneuerungskonzept von 1965 sah eine Siedlungsstruktur vor, die wenig Rücksicht auf die historischen Gegebenheiten nahm. So sollte der Jagdhof beispielsweise einem Ladenzentrum weichen.

Heute ist die Städteplanung von 1977 realisiert, die sich eine erhaltende Erneuerung zum Ziel gesetzt hat. Die dörfliche Siedlungsstruktur sollte durch das Restaurieren historischer Substanzen bewahrt und mit behutsamen Neubauten ergänzt werden.

Mitte der 80er Jahre stand bereits die neue Randbebauung des Jagdhofes, die den historischen Seitengebäuden nachempfunden war. Auf Anregung des Denkmalschutzamtes liefen bereits 1983 konkrete Kaufverhandlungen für das Kavaliershaus.

Nach dessen Erwerb entschied sich die Stadt 1985, den zugebauten Innenhof des Jagdhofes freizustellen und das historische Herrenhaus wieder zur Geltung zu bringen. Dabei wurde der historische Jagdhofkeller für eine öffentliche Nutzung für Veranstaltungen hergerichtet.

Seitdem wird das historische Gewölbe des Bessunger Jagdhofkellers mit seinem atmosphärisch wie architektonisch exquisiten Ambiente für Musikveranstaltungen sowie private oder geschäftliche Feierlichkeiten genutzt.

Im Jahre 1997 wurde die Restaurierung des Jagdhofes abgeschlossen und das Kavaliersgebäude seiner derzeitigen Nutzung durch das Jazzinstitut der Stadt Darmstadt übergeben.

Quellen:

  • Doris Schröder, M.A.
  • Hessisches Staatsarchiv
  • Darmstädter Echo
  • Bessunger Lesebuch von Walter Möbius

Tel.: 06151 - 66 40 91

MuK (Marianne und Klaus) Bessunger Jagdhofkeller

Bessunger Straße 84 – 64285 Darmstadt